Seasteading

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In diesem Artikel gehen wir auf das Seasteading bzw. schwimmende Städte ein und wie du diese für das ortsunabhängige Arbeiten nutzen kannst. Dabei handelt es sich um ein Konzept, welches von der Idee her viele Vorteile bringt, aber bislang noch nicht vollständig umgesetzt worden ist. Theoretisch könnten sie eine Antwort auf die stetig wachsende Weltbevölkerung und den Anstieg des Meeresspiegels sein.

Aber eins nach dem anderen.

Was ist Seasteading genau?

Beim Seasteading handelt es sich um ein Kofferwort aus sea (englisch für Meer) und homesteading (Besiedlung, Inbesitznahme). Es geht darum Städte auf dem Meer zu errichten die als dauerhafter Wohn- und Lebensraum (sogenannte Seasteads) genutzt werden können. Dabei geht es genau um die Gebiete auf dem Meer die nicht von Regierungen und Nationen beansprucht werden.

Denn außerhalb der Wirtschaftszone von 370,4 km bzw. 200 Meilen (welche nach dem Seerechtdübereinkommen beansprucht werden kann) unterliegt der Festlandsockel bzw. die hohe See keinen Gesetzen. Es gelten lediglich die Gesetze des Staates, unter dessen Flagge sich ein Schiff in dem Bereich aufhält. Die nachfolgende Grafik veranschaulicht die verschiedenen Zonen etwas besser:

Völkerrechtliche Zonen nach dem Seerechtsübereinkommen
Völkerrechtliche Zonen nach dem Seerechtsübereinkommen

Für die Errichtung von eigenen schwimmenden Städten gilt es also die ausschließliche nach 200 Seemeilen zu verlassen um sich in einer rechtlichen „Grauzone“ aufzuhalten.

Wie kann man sich Seasteading genauer vorstellen?

Derzeit gibt es verschiedene Konzepte wie Seasteads aufgebaut werden können. Hierzu zählen u.a.:

  • modifiziert und umgerüstete Bohrinseln
  • umgebaute Kreuzfahrtschiffe
  • stillgelegte Flak-Plattformen (gibt es bspw. als eine nicht vollständig unabhängigen Variante beim Fürstentum Sealand)
  • bewegliche und schwimmende Inseln
  • künstliche Inseln

Vor allem der Bereich der sich ständig ausbauende Kreuzfahrtindustriebereich lässt darauf schließen, dass ein längerfristiges Leben auf der hohen See möglich ist. Nachfolgend einige Bilder damit du dir mehr darunter vorstellen kannst.

 

Seasteading schwimmende Insel floating island schwimmende städte
Poly Design Konzept für eine schwimmende Insel

Als brauchbare Standorte für schwimmende Städte bzw. Inseln bieten sich Unterwassergebirge an, an denen die Wassertiefe nur 250 Meter beträgt. Hier lässt sich dann die Insel auf dem Meeresboden verankern.

Schutz der Städte

Theoretisch könnte man die schwimmende Stadt auch durch eine schwimmende Mauer schützen. Dadurch wären die Bewohner außerdem weitestgehend vor dem anhaltenden Wellengang geschützt. Gem. den Berechnungen von Experten der Technischen Universität Delft würden selbst 4 Meter hohe Wellen und Windgeschwindigkeiten von 200 km/h kein Problem darstellen.

Idealerweise beträgt die Wassertemperatur für solche Plattformen zwischen 24 und 27 Grad. Dadurch müsste man weder kühlen noch heizen.

Aber nicht nur schwimmen ist möglich. Theoretisch ist auch ein direkter Kontakt zum Boden möglich. Dadurch wird der Wellengang auf dem „Deck“ nahezu ausgeschlossen.

Bei dem nachfolgenden Bild handelt es sich um eine fiktive modifizierte Bohrinsel die für das Seasteading umgerüstet worden ist:

Seasteading schwimmende Stadt floating city
Ein Beispiel für Seasteading: eine modifizierte Bohrinsel

Weitere Designkonzepte für schwimmende Städte bzw. Seasteads findest du u.a. auch auf hier. Beim Seasteading Institut handelt es sich übrigens um eine Non-Profit Organisation die für den Aufbau einer Seasteading Gemeinschaft, der Forschung auf diesem Gebiet und für die Unterstützung des Baus errichtet wurde.

Das Seasteading Institut hat selber ein eigenes Konzept entwickelt und dieses unter dem Namen „ClubStead“ patentieren lassen. Dabei handelt es sich um ein schwimmendes Wohnviertel für bis zu 200 Personen. Hier findest du weitere Informationen dazu.

Nachfolgend auch ein Video des Konzepts. Das Video dauert gerade mal 1 Minute und du siehst wie sich die schwimmenden Hochhäuser auf dem Wasser bzw. der hohen See verhalten würden:

Denn die Lebensbedingungen auf hoher See sind alleine durch den Wellengang unterschiedlich.

Versorgung

Grundvoraussetzung für einen eigenen Staat bzw. einen Stadtstaat auf hoher See ist, dass dieser sich unabhängig selbst versorgen kann. Auch ist der Aufbau einer eigenen Infrastruktur notwendig. Hierzu zählen u.a.

  • Strom
  • Wasser
  • Abwasser
  • Müll

Über die Plattform selber könnten theoretisch Bodenschätze gefördert oder Aquakulturen kultiviert werden. Aber auch der Fischfang lässt auf den Seasteads professionalisieren. Die Wasserversorgung ist bspw. über Salzwasserfilteranlagen möglich.

Die Stromversorgung kann bspw. über Solarmodule erfolgen.

Wie kann man schwimmende Städte für das ortsunabhängige Arbeiten nutzen?

Derzeit gibt es keine Rechtsprechung dafür, dass freischwimmende Konstruktionen dem völkerrechtlichen Staatsbegriff unterliegen. Dadurch gibt es derzeit auch keine greifenden Gesetze für schwimmende Städte wodurch die Möglichkeit eines rechtsfreien Raums besteht.

Unternehmen dort anzusiedeln und von dort aus international zu operieren ist also durchaus interessant, wenn man überlegt welche Möglichkeiten einem dann offenstehen. Nicht nur, dass man ständig unterwegs ist (sofern es sich um eine schwimmende „Schiff-Stadt“ handelt), sondern, dass man währenddessen auch arbeiten kann.

Perfekt um bspw. den Steuerpflichten des eigenen Landes zu „entkommen„. Mehr dazu auch in unserem Artikel zum Thema digitale Nomaden und Steuern.

Welche Projekte gibt es in dem Bereich?

Es gibt derzeit verschiedene Projekte im Seasteading Bereich. Manche wurden davon bereits umgesetzt, einige noch nicht.

Das Projekt Blueseed macht sich dafür stark auf einem Schiff Startups an der Küste von San Fransisco zu beherbergen. Außerdem steht dort auch der Aufbau von Wohnungen im Fokus. Derzeit steht aber noch die vollständige Finanzierung von 31 Millionen US Dollar aus, um das Projekt zum Laufen zu bringen.

Konkreter wird es auf jeden Fall beim Projekt mit Französisch-Polynesien. Demnach unterschrieb im Januar 2017 die Regierung einen Vertrag mit „The Seasteading Institute“ damit diese die Machbarkeit für eine schwimmende Insel überprüfen.

Französisch-Polynesien hat nämlich derzeit das Problem, dass die Insel versinkt, sollten die Weltmeere weiter ansteigen. Französisch-Polynesien eignet sich sehr gut dafür, da es sich in dem Gebiet um sehr flache und ruhige Gewässer handelt. Das Projekt ist zunächst auf eine kleine Gruppe von Personen ausgelegt und soll später weiter ausgebaut werden.

Realisierte Projekte

Die Organisation Women on Waves ermöglicht bspw. Frauen eine Abtreibung für Länder in denen dies zunächst problematisch scheint.

Bei Radio Veronica handelt es sich um einen Radiosender der in den Niederlanden 1959 gegründet worden ist. Dieser hat den Zweck ein hörerbegleitendes und werbefinanziertes Rundfunkprogramm als Piratensender von See aus zu senden.

In Holland bzw. in IJburg gibt es bspw. jetzt schon schwimmende Wohnsiedlungen. Dadurch bieten sich in Holland natürlich ganze neue zuvor ungenutzte Erschließungsflächen. Nachfolgend ein Video dazu:

Die Makoko Floating School wurde bspw. vom Architekt Kunlé Adeyemi entwickelt. Sie schwimmt auf Plastikkanistern und schützt somit vor Hochwasser und Überschwemmungen. Das genile an dem Konzept ist, dass mehrere dieser Bauten auch „zusammengesetzt“ werden können um anschließend ein komplettes Dorf entstehen zu lassen. Hier erfährst du mehr zu dem Projekt:

 

Auch interessant ist das Projekt von dem französische Architekten Vincent Caillebaut. Dieser entwickelte eine komplette Metropole für bis zu 50.000 Umweltflüchtlinge. Diese ist komplett autark und wird über Wind-, Solar-, Gezeiten- und Thermalenergie betrieben. Dadurch ist theoretisch die Ausweitung von Zwergstaaten wie Monaco, Singapur oder Hongkong möglich. Hier kannst du dir einen Eindruck davon verschaffen:

Fazit zum Thema Seasteading

Noch steckt das Thema Seasteading in den Kinderschuhen und wirklich ernstzunehmende Projekte für mehrere Tausend Menschen gibt es noch nicht. Allerdings stecken immer mehr Investoren und Wagniskapitalgeber Geld in solche Projekte. Daher ist es durchaus denkbar, dass in naher Zukunft erste Projekte wirklich in die Realität umgesetzt werden. Gerade für Personen die ortsunabhängig arbeiten und sich frei von Gesetzen machen wollen, auf jeden Fall eine interessante Option.

Wie stehst du zum Thema Seasteading und schwimmende Städte? Wir freuen uns auf deinen Kommentar.

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2 Antworten

  1. Sandra
    | Antworten

    Hi Christian,

    cool, dass du die ganzen Projekte zum Seasteading mal zusammengetragen hast. 🙂 Ich fände es persönlich auch eine echte Alternative zu allem bisher dagewesenen und hoffe, dass es bal mehr Coworking Spaces auf dem Wasser geben wird. 🙂

    LG

    Sandra

    • Christian
      Christian
      | Antworten

      Hi Sandra,

      ich hoffe auch, dass es bald mehr solche Plattformen und schwimmende Städte geben wird.

      LG

      Christian

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